Kompetent und zuverlässig

Umgang mit Demenz

Sehr geehrte Damen und Herren,

die meisten betroffenen Angehörigen möchten lernen, mit einer Demenzerkrankung umzugehen, denn Sie können das veränderte Verhalten der betroffenen Person nicht verstehen.

Hier sollten Sie sich deutlich machen, dass bei den Kranken die Kontrolle über das Verhalten zumindest teilweise verloren gegangen ist, obwohl es scheint, als sei der Kranke lediglich trotzig, gleichgültig und schlechten Willens. Dies ist umso schwieriger einzusehen, als dementiell veränderte Menschen äußerlich oft noch einen Eindruck vollkommener Gesundheit machen.

Um allen Betroffenen so viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten, kommt es neben der geeigneten Medikation auch auf die richtige Betreuung und Versorgung an.

Da  viele Angehörige die überwiegende Zeit des Tages Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen selbstständig versorgen, haben wir Ihnen an dieser Stelle einige Informationen schriftlich zum Nachlesen zusammengestellt. Haben Sie Fragen, sprechen Sie uns an.

Beim Umgang mit den Dementen hilft es, wenn Sie immer wieder versuchen, sich in den Betroffenen hineinzuversetzen.

Zum Beispiel: Stellen Sie sich vor, man setzt Sie mutterseelenallein in einer chinesischen Kleinstadt aus, wo Sie weder die Sprache kennen noch irgendetwas lesen können. Überall stoßen Sie auf völlig unverständliche Gebräuche, wie das Essen mit Stäbchen. Und was das Schlimmste ist: ständig treffen Sie auf Menschen, die auf Sie einreden, dabei so tun, als ob sie Sie schon lange kennen würden und von Ihnen erwarten, dass Sie über sämtliche Dinge Bescheid wissen.

Auch die dementiell erkrankten Menschen spüren oft, was sie eigentlich können sollten. Dass es ihnen gleichwohl nicht gelingt, schafft Angst und großen Ärger - über sich und über die fordernden Mitmenschen.

Folgende Ratschläge können Ihnen im Umgang mit dem Erkrankten helfen:

Allgemeine Hinweise:

·            Seien sie geduldig, geduldig, geduldig!

·            Vermeiden Sie, dem Betroffenen seine Verfehlungen vorzuhalten

·            Finden Sie heraus, in wieweit Sie Initiative ergreifen müssen, 
             die dem Betroffenen fehlt und hilft   

Seien Sie dabei behutsam und vermeiden Sie übermäßige Bevormundung und Überforderung

·            Vereinbaren Sie die Termine, wenn der Erkrankte selbst nicht
             mehr aktiv werden kann

·            Bieten Sie an, ihn zu anstehenden Terminen zu begleiten und
             helfen Sie bei der Vorbereitung des Arztbesuchs 
             (Zusammenstellung von alten Befunden und Arztberichten,
             ggf. Versicherungskarte bzw. Überweisung)

·            Binden Sie andere Familienmitglieder oder auch
             Außenstehende ( z.B. einen Pflegedienst) bei Bedarf mit ein

·            Überlegen Sie gerade im Anfangsstadium der Erkrankung
             gemeinsam, welche rechtlichen Schritte einzuleiten sind 
             (Betreuungsverfügung, Patientenverfügung oder eine
             Generalvollmacht?)

  • Beständigkeit und Routine im Tagesablauf sind für den Erkrankten wertvolle Hilfen
  • Einfache Regeln und feste Gewohnheiten sind für viele Menschen sehr hilfreich – ganz besonders jedoch für Demenzerkrankte
  • Wenden Sie nicht den Leistungsmaßstab, der für Gesunde gilt, beim Dementen an

Hinweise zur Kommunikation:

  • Klare Anweisungen in einfachen kurzen Sätzen geben, keinen Befehlston!
  • Ein fürsorglicher, aber zugleich bestimmter und deutlicher Umgangston sollte angestrebt werden
  • Wichtige Informationen bei Bedarf geduldig wiederholen, konkrete Angaben wie Zeit, Datum, Ort und Namen bieten Erinnerungshilfen
  • Geduldig sein mit dem Kranken und ihm Zeit (Minuten, nicht Sekunden) für eine Reaktion oder Entgegnung geben
  • Verständnisvoll sein – auch wenn es mitunter schwer fällt
  • Diskussionen sollten vermieden werden, da dementiell Erkrankte sehr häufig den Sinn nicht nachvollziehen können. Statt auf der eigenen Meinung zu bestehen, sollte der Kranke abgelenkt werden oder der Betreuer sollte einlenken
  • Anschuldigungen und Vorwürfe besser überhören
  • Loben bringt mehr als Kritisieren. Das kann man auch bei richtigem Reagieren des Kranken durch Worte, Berühren oder Lächeln ausdrücken

Hinweise zum Umgang mit aggressivem Verhalten:

Aggressionen entstehen durch Überforderung, das Gefühl der Einengung, die Verletzung der Intimsphäre oder als Reaktion auf die Ungeduld und Gereiztheit der Umgebung.

Generell gilt: Erfolgserlebnisse beruhigen, Misserfolg macht gereizt oder aggressiv.

Die häufigste Ursache für Aggressivität ist das Gefühl der Überforderung.

  • Versuchen sie deshalb, dem Kranken seine Defizite nicht aufzuzeigen, weder durch für ihn unlösbare Aufgaben noch durch übermäßige Bevormundung und die Vorhaltung von Tatsachen, die der Betroffene selbst vergessen hat
  • Vermeiden Sie Konfrontation und bedenken Sie, dass die Betroffenen auch einen möglichen Streit recht schnell vergessen, wenn sie abgelenkt werden. Greifen Sie niemals alte Konfrontationsthemen noch einmal auf, da eine mögliche nachträgliche Diskussion den Kranken überfordern und einen neuerlichen Anlass zu aggressivem Verhalten darstellen kann
  • Bleiben Sie ruhig und freundlich, auch wenn Ihnen Aggressionen entgegengebracht werden. Es gibt keinen Grund, persönlich beleidigt zu sein, da das aggressive Verhalten nicht persönlich gegen Sie gerichtet ist. Versuchen Sie, die Aufmerksamkeit des Kranken auf etwas anderes zu lenken, der Wutanfall ist dann schnell vergessen
  • Generell ist es sinnvoll, genau aufzupassen, in welchen Situationen es zu aggressivem Verhalten kommt und diese dann zu vermeiden. Sind es unvermeidbare Alltagssituationen, so sind Sie dann bereits gewarnt und können schon im Vorfeld beruhigend auf den Erkrankten einwirken oder ihn ablenken, um das Gefühl der Überforderung und die dadurch bedingte Aggression gar nicht erst entstehen zu lassen.

Und nun noch ein paar Informationen, wie Sie sich selbst entlasten können:

Als betreuender Angehöriger sind Sie oft besonderen seelischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt und stoßen häufig an Ihre Grenzen. Darüber hinaus bleiben Ihnen für Ihre eigenen Bedürfnisse, Urlaub, Ihre Hobbys und sozialen Kontakte kaum Zeit. Doch auch Sie benötigen Freiräume und Zeiten der Entspannung, um die schweren Betreuungsaufgaben weiterhin übernehmen zu können. Wir helfen Ihnen, sich diese Zeiten zu nehmen und Ihren dementiell erkrankten Angehörigen dabei in guten Händen zu wissen. Die Pflegeversicherung sieht für die Entlastung von pflegenden Angehörigen zum einen die so genannte „Verhinderungspflege“ vor. Das heißt, wenn Sie wegen Urlaub, Kur oder anderen persönlichen Gründen (z.B. Veranstaltungen, Termine oder einfach Zeit für sich selbst brauchen) die Betreuung und Pflege nicht selbst durchführen können, schicken wir Ihnen für diese Zeit gerne eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter unseres Pflegedienstes oder bringen Sie Ihren Angehörigen zu uns in die „Plauderecke“, dort finden dreistündige Betreuungsangebote statt. Die Pflegeversicherung stellt auch hier ein Budget für Betreuungs-und Entlastungsleistungen zur Verfügung.

Brauchen Sie Hilfe, haben Sie Fragen oder benötigen Sie eine eingehende Beratung, dann wenden Sie sich an unseren Pflegedienst. Ein Anruf von Ihnen genügt, wir kommen zu Ihnen und regeln alles mit Ihnen gemeinsam. Tel: 0231-18 99 573 – die Nummer, die verbindet.

Mit freundlichsten Grüßen

Ihr

Peter Weigang

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